Zentrale Ansicht der IT- und OT-Assets als entscheidender Faktor für die intelligente Fabrik der Zukunft
Der Technik-Gigant aus Deutschland entwirft und fertigt einen Großteil der weltweit führenden Fabriktechnologie – Motoren, Sensoren und SPS-Steuerungen, die in Produktionslinien weltweit eingesetzt werden.
Siemens sah eine bedeutende Chance, mehr Informationen über OT-Assets (operative Technologie) in den Fabrikgebäuden zu erhalten. Diese allgemeine Transparenz ist unerlässlich: Nur wenn alle OT-Systeme, Maschinen und Sensoren zentral erfasst, überwacht und verwaltet werden, können die Wartung, die Sicherheit und die Verfügbarkeit sichergestellt werden.
Die Herausforderung bestand nicht in der technischen Komplexität oder dem Maßstab der Betriebsabläufe, sondern in der schieren Vielfalt und Verteilung der OT-Landschaft: Tausende von Assets an zahlreichen Standorten, für die es kein einheitliches Verwaltungssystem gibt.
Jetzt integriert Siemens das IT- und das OT-Management, um vollständige Asset-Transparenz zu schaffen und den Weg für den Einsatz von agentenbasierter KI zu ebnen. Das Ergebnis: verbesserte Betriebszeiten in der Produktion, mehr Cybersicherheit und eine Maximierung der Produktionsleistung. Bei einem Unternehmen, auf dessen Fabriktechnologien sich die Welt verlässt, werden die Auswirkungen weltweit spürbar sein.
Konvergenz von IT und OT als Musterkunde für Siemens
Das Siemens Elektromotorenwerk Bad Neustadt a. d. Saale ist ein Ort der Innovation. Seit 2018 fungiert die Fabrik als Ausgangspunkt für die Prozesse und digitalen Innovationen des Unternehmens. Die in Bad Neustadt entstandenen Ideen gelangen in Siemens-Werke in aller Welt und werden zu Technologien entwickelt, die Siemens-Kunden bei der Fertigung einsetzen. Hier beginnt die IT-OT-Konvergenz von Siemens mit ServiceNow.
„Wir haben rund 180 Jahre Erfahrung in der operativen Technologie“, sagt Michael Leipold, Head of Internal Startup, Industrial Asset Hub bei Siemens. „Wir nutzen ServiceNow seit 15 Jahren für das Management unserer IT-Umgebung. Jetzt führen wir die beiden Gebiete unserer Fachexpertise auf einer zentralen Plattform zusammen.
Früher haben IT- und OT-Teams wie Katz und Hund zusammengepasst“, scherzt er, „aber dieses Projekt geht pragmatisch vor. Beide Seiten wissen: Was sie nicht sehen, können sie auch nicht managen und schützen.“
„Die Umgebung ist immer noch komplex“, sagt Peter Zech, Leiter Innovation und Digitalisierung im Werk Bad Neustadt, „aber wir haben die Art und Weise, wie wir sie jetzt verwalten, vereinfacht. Mit einer zentralen Ansicht unserer Fabrikhalle können wir nicht nur den Lebenszyklus unserer OT-Assets besser verwalten, sondern auch Sicherheitsschwachstellen erkennen.“
Das Werk Bad Neustadt zeichnet sich durch seine hochdynamische Produktionsumgebung aus, in der täglich Tausende von Motoren montiert werden – mit außergewöhnlich hoher Produktvariabilität. Diese Komplexität erfordert viel Flexibilität. Der Einsatz von Software hat zwar geholfen, aber auch neue Herausforderungen bei Sicherheitspatches und Firmware-Updates mit sich gebracht.
„Wir brauchen durchgängige Transparenz, insbesondere bei den Assets mit Netzwerkfunktionen“, sagt Peter. „Alles muss sicher, alles muss auf dem neuesten Stand sein.“
Die Lösung kombiniert Siemens Industrial Asset Hub und SINEC Security Guard mit den Fähigkeiten von ServiceNow im Bereich OT-Transparenz und OT-Schwachstellen. Sie kombiniert das Fertigungswissen von Siemens mit den IT-Stärken von ServiceNow, um ein kritisches Problem zu bewältigen.
Vollständige Transparenz ermöglicht schnellere Schwachstellenbeseitigung, effizientes Patchen und bessere Lebenszyklusplanung
Zum ersten Mal kann Siemens OT-Assets mit der gleichen Transparenz verwalten wie alle anderen IT-Assets. Dadurch konnten messbare Verbesserungen beim Sicherheits- und Lebenszyklusmanagement erzielt werden:
- Umgang mit Schwachstellen: Siemens kann Schwachstellen jetzt nach eigenen Angaben 90 % schneller identifizieren und priorisieren. Durch die Kombination von Daten aus Industrial Asset Hub und SINEC Security Guard können Teams schnell erkennen, welche Geräte spezifischen Risiken durch veraltete Firmware ausgesetzt sind, und dadurch Betriebsausfälle in der Produktion verhindern.
- Effiziente Patches und Updates: Serviceteams können jetzt Remote-Verbindungen zu Geräten herstellen und aktualisierte Firmware oder Konfigurationen installieren. Das System dokumentiert jeden Schritt und überprüft, ob die Autorisierung den Vorgaben entspricht. Dies reduziert die Zeit für Sicherheitskorrekturen um voraussichtlich 38 %.
- Bessere Lebenszyklusplanung: Der Industrial Asset Hub versorgt die ServiceNow CMDB (Configuration Management Database) mit kritischen Lebenszyklusdaten. So können Teams schnell veraltete Geräte identifizieren und auf ihre Ersatzteilnummern, Anleitungen für Gerätewechsel und ihre Lagerverfügbarkeit zugreifen. Das Asset-Onboarding lässt sich durch Automatisierung voraussichtlich um 70 % beschleunigen.
„Bad Neustadt ist einzigartig, weil unsere neuesten Digitalisierungsideen von dort kommen, aber in vielerlei Hinsicht unterscheidet sich das Werk nicht von anderen. Diese Lösung ist anbieterunabhängig und identifiziert automatisch jedes Gerät“, betont Michael. „Sie kann in jedem Werk eingesetzt werden, egal ob bei Siemens oder anderswo, weltweit.“
Das Projekt wird vor dem globalen Rollout auch im Siemens Electronics Works Amberg getestet.
Blick in die Zukunft: KI erkennt Probleme proaktiv und hilft Siemens beim Aufbau der Fabriken der Zukunft
Die Pilotprojekte in den Fabriken Bad Neustadt und Amberg leisten Pionierarbeit bei der Beschleunigung von Innovationen im gesamten Fertigungsbetrieb von Siemens. Die Projektverantwortlichen hoffen, schnell mehr als eine bloße Nachverfolgung ihrer Geräte zu erreichen.
Da OT Service Management von ServiceNow über das Außendienst-Management mit dem technischen Support von Siemens verbunden ist, erhalten die Teams vor Ort sofort Warnungen mit genau den Informationen, die sie benötigen.
„Wir sehen einen Anwendungsfall, in dem agentenbasierte KI, die für eine Person im Wartungsteam personalisiert ist, bekannte Schwachstellen und Handbücher speziell im Zusammenhang mit der installierten Asset-Basis erfassen kann“, sagt Peter. „Außerdem kann ein solcher KI-Agent proaktive Hinweise liefern, zum Beispiel veraltete PLCs erkennen oder den Kontakt zu Partnern herstellen, die Geräte wieder instandsetzen.“
Das Ergebnis? Fehler werden schneller behoben, sodass die Produktion weiterläuft.
„Wir haben eine fortlaufende Partnerschaft mit ServiceNow“, sagt Michael. „Was mir an ServiceNow gefällt: Dort wird weniger geredet und dafür mehr getan. Es besteht eine direkte Verbindung zwischen den Entwicklerteams von Siemens und ServiceNow. Unser gemeinsames Know-how kommt allen unseren Kunden zugute.“